Navigation überspringen

Karl Ehlers

Karl Ehlers (1904-1973) wirkte von 1948 bis zu seinem Tode 1973 in Detmold. Im 2. Obergeschoss im Schloss Brake ist der bildhauerische Nachlass von Karl Ehlers zu sehen.

Die Förderung von Kunst und Künstlern der Region ist wesentlicher Bestandteil der Kulturarbeit des Landesverbandes Lippe. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung erwerben der Landesverband Lippe und die ihm angeschlossenen Kultureinrichtungen seit Jahrzehnten Arbeiten lippischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Auch konnten immer wieder bedeutende Nachlässe gesichert werden.

Die wichtigsten, im Besitz der Kulturagentur des Landesverbandes Lippe befindlichen bildhauerischen Sammlungen, sind die künstlerischen Nachlässe von Heinrich Drake und Karl Ehlers. Sie waren seit 1999 in der Remise am Schloss Brake der Öffentlichkeit zugänglich. Im März 2012 zogen sie dann um in neue Räumlichkeiten im Schloss Brake in Lemgo, wo sie seither der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Karl Ehlers’ Oeuvre zeichnet sich durch Reduktion und Abstraktion vor allem der menschlichen Figur aus. Seine Arbeiten mit Fundhölzern und Obo-Holz haben kaum eine Parallele. Humor und eine Neigung zum Skurrilen und Phantastischen sprechen vor allem aus seinen Fabelwesen, einem Thema, dem man, vielfach variiert, immer wieder begegnet.

Abb: Mein Vater, Bronze, 1934

Ehlers studierte an der Kunstgewerbeschule in Essen und an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschüler von Prof. Hubert Netzer. Im Jahrzehnt von 1930 bis 1940 lebte Ehlers im Ruhrgebiet; dann war er als Soldat in Flandern und geriet schließlich in russische Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1948 zog Ehlers nach Detmold, wo er bis zu seinem Tod 1973 lebte und arbeitete. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule Münster (1957-1970) schuf er umfangreiche plastische Arbeiten, wobei ihm Zeichnungen und Grafiken als Ideenfindung dienten, aber auch als eigenständiges Oeuvre zu betrachten sind. Außerdem führte er zahlreiche Aufträge für Skulpturen und Brunnen für den öffentlichen Raum sowie Kunst am Bau aus.

Er arbeitete in Gips, Ton und Kunststein, manchmal Sandstein, außerdem in Bronze.

Seit 1932 arbeitete Karl Ehlers auch im Werkstoff Holz, den er in seinen späteren Jahren immer mehr bevorzugt. Dadurch änderte sich sein Formgefühl, im Umgang mit dem organischen Material wurde Ehlers immer feinfühliger und sensibler.

In seinem Prozess der Abstraktion wurde die menschliche Figur zum Träger eines gesammelten, verinnerlichten Ausdrucks.

Karl Ehlers hatte sich im Zuge seiner Formenreduzierung von der Darstellung des menschlichen Antlitzes abgewandt. Seine Skulpturen greifen nur noch die unbedingt nötigen Elemente auf, die für den Ausdruck unabdingbar sind.

Abb. Rufer, 1956

Ein Beispiel ist die Skulptur „Rufer“ (Abb.) von 1956 aus Eichenholz, die eine Höhe von 174 cm hat. Die Reduzierung auf ganz wesentliche Elemente konzentriert sich auf die Geste der an den Mund gelegten Hände zum lauten Rufen. Alles Überflüssige ist konsequent vermieden worden. Die Haltung ist statisch, in sich geschlossen, überspitzt zu einer geometrischen Form.

Eine Reduzierung bis hin zur Kargheit bestimmte das Motiv und die Gebärde vieler Skulpturen Ehlers seiner späteren Jahre, die als Körper in Bezug zum Raum zu betrachten waren. Intensiv beschäftigte er sich mit den Möglichkeiten von mathematischen Körpern in der Skulptur, wie es beispielsweise in seiner Arbeit „Fünf Querrahmen“ (Abb. Blick in die Ausstellung: Holzarbeiten. 2 v.r.) von 1970 aus Oboholz zu beobachten ist.

Daneben gibt es eine Reihe verspielter Fabelwesen, die als Ergänzung zu den geometrischen Skulpturen Ehlers Neigung zum Spiel und Humor verraten.

Abb: Blick in die Ausstellung im Schloss Brake: Holzarbeiten von Karl Ehlers
Abb: Blick in die Ausstellung, Fabelwesen

 

Biographie

1904 geboren in Hollenbeck, Schleswig-Holstein

1914 Umzug ins Ruhrgebiet, Bottrop, Witten

1921-1922 Studium an der Kunstgewerbeschule Essen

1923 –1928 Studium an der Staatl. Kunstakademie Düsseldorf,

zwei Jahre Meisterschüler bei Prof. Netzer

1928-1929 Gastatelier Kunstakademie Istanbul, Türkei

1930-1936 Lehrer an der Gewerblichen Berufsschule Hamborn, Aufbau einer Steinmetzklasse und freie Kunstkurse

1937 Staatsstipendium „Vier Maler –Vier Bildhauer“, Staatl. Kunstakademie Kassel

1937 Beschlagnahmung der Bronzeskulptur „Frau mit Traube“ sowie einer Grafik als „entartet“ durch die Nationalsozialisten im Lehmbruckmuseum Duisburg

1940-1948 Soldat, russische Kriegsgefangenschaft und Krankheit

1948 Rückkehr, Umzug nach Detmold

1952 Corneliuspreis der Stadt Düsseldorf

1953 Kunstpreis der Stadt Iserlohn

1954 Konrad-von-Soest-Preis – Kunstpreis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe

1957 –1970 Leiter der Bildhauerabteilung der Werkkunstschule Münster

1960 Karl-Ernst-Osthaus-Preis (Kunstpreis der Stadt Hagen)

1973 Ehrengast in der Villa Massimo, Rom

1973 gestorben in Detmold

Aktuelles

Wir optimieren unsere Webseite mit Cookies

Diese Webseite verwendet Tools und Funktionen, die unter Umständen Cookies im Browser Ihres Gerätes speichern. Nähere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung.