Stipendium
Junge Kunst im alten Künstlerort
Linda Marwan – Becoming a Body of Others
Die in Leipzig lebende Installationskünstlerin Linda Marwan kommt als neue Stipendiatin 2026 nach Schwalenberg. Ihre Werke zeigen hybride Mischwesen aus Mensch, Tier, Monster und Pflanzen.
Ab dem ersten Mai 2026 wird die neue Stipendiatin des Landesverbandes Lippe für sechs Monate in das Künstlerhaus in Schwalenberg einziehen und dort auf die Abschlussausstellung im Oktober im Robert Koepke Haus hinarbeiten.

Abb.: Linda Marwan in der Ausstellung I am Flux Stiftung Berliner Leben. Berlin. 2025 © Foto: Galya Feierman
Linda Marwan ist eine interdisziplinäre Installationskünstlerin. Sie nutzt Skulptur, Malerei und digitale Medien, um konzentrierte Ensembles zu schaffen. In diesen treten meist Tiere, Pflanzen, Mischwesen und der eigene Körper als Protagonist:innen auf und entfalten symbiotische Beziehungen.
Von Gaming sowie dem Fantasy- und Horrorgenre beeinflusst, werden ästhetische und inhaltliche Charakteristika analysiert, in ihre Einzelteile aufgebrochen und rekombiniert. Fokussiert wird hierbei die Bedeutung von ästhetischen Qualitäten als Faktor zur Schaffung von Atmosphäre.
Linda Marwan untersucht die epistemologische Bedeutung des eigenen Körpers als Erfahrungsraum und dessen Rekontextualisierung außerhalb gesellschaftlich-systematischer Objektifizierung. Dazu gehört auch die Analyse der Beziehung des Körpers zur Umwelt, aber auch digitaler oder imaginärer Räumlichkeit.
Für ihre Zeit in Schwalenberg hat die Künstlerin schon verschiedene Ideen. Sie möchte ihr Projekt Becoming a Body of Others fortführen und erweitern.
Dieses Projekt setzt sich spielerisch mit der Historie und dem Konzept des Monsters auseinander, um als Mischwesen erscheinende Skulpturen zu schaffen, welche sich auf das emphatische Netzwerk der Lebewesen beziehen, in deren Bewusstsein eine der Lösungen zur Abwendung ökologischer Katastrophen liegen.
Hierfür wendet Linda Marwan größtenteils 3D-Modellierung und 3D-Druck mit nachhaltigen Materialien im Dialog mit klassischen bildhauerischen Verfahren an.
Die so entstehenden Kreaturen verbinden, ausgehend von Sagen und Mythen, den Menschen mit dem Tier sowie Landschaft mit den sie bewohnenden Körpern. Sie untersuchen hierin Leiblichkeit unter dem Gesichtspunkt einer Öffnung und Selbstaufgabe. Diese Monster agieren als Manifestationen der Angst vor eigener Auflösung im Fremdartigen. Zugleich erzählen sie davon, vergessen zu haben, dass alles ineinander verwoben, alles voneinander abhängig ist und das eigene Leben nur in einer Welt, welche ihrerseits leben darf, fortbestehen kann. Das Erscheinen von Monstern geht einher mit dem Unwirtlich-Werden der Welt.
Das künstlerische Projektvorhaben Marwans hat zum Ziel, im Vorschlag einer neuen Ökologie weder die Natur noch Menschen, sondern hybride Formen von menschlichen sowie nicht-menschlichen Wesen als Entscheidungsträger erscheinen zu lassen. Es entsteht eine experimentelle Metaphysik mit dem Ziel einer neuen Gewaltenteilung zwischen Natur und Kultur.
Biografie:
Linda Marwan (*1989) studierte an der HBK Braunschweig und der HGB Leipzig, wo sie 2019 mit dem Diplom als freie Künstlerin abschloss. Sie schrieb ihre theoretische Diplomarbeit unter dem Titel “State instead of Image” über das atmosphärische Wirken und die Relevanz sinnlicher Erfahrung für das Erzeugen von Bedeutung.
Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Fresh A.I.R.-Stipendium der Stiftung Berliner Leben (2025), dem Residenzstipendium des Kunstvereins Röderhof e.V. (2020) und dem Arbeitsstipendium Digitale Vermittlungsformate des Deutschen Künstlerbundes (2022).
2023 realisierte sie die von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen geförderte Einzelausstellung Artificial Fantasy, die sich mit generischen Aspekten des Fantasy-Genres und dem Environmental Storytelling in Videospielen auseinandersetzt.
Zuletzt wurden ihre Arbeiten im Projektraum des Urban Nation sowie in den Garten_Studios in Berlin gezeigt. Weitere Präsentationen fanden unter anderem im BSMNT (Baumwollspinnerei Leipzig), in der Werkschauhalle (Baumwollspinnerei Leipzig), bei Ung5 sowie CO³ in Köln und in der Potemka Galerie Leipzig statt. Eine dauerhafte Installation befindet sich in der Kleingartengalerie Galerie Gänge in Leipzig.
Linda Marwan lebt und arbeitet in Leipzig.

Linda Marwan in der Ausstellung I am Flux Stiftung Berliner Leben. Berlin. 2025 © Foto: Galya Feierman

Linda Marwan, Knorriger Abkömmling, 78 x 40 x 24 cm, PLA, Resin, Ölfarbe, Kleber, 2025. © Linda Marwan
Infos
Schwalenberg-Stipendium für Bildende Kunst des Landesverbandes Lippe im Künstlerhaus Schwalenberg, 1.5.2026 bis 31.10.2026.
Abschlussausstellung vom 04.10. bis 1.11.2026 im Robert Koepke Haus.

Das Künstlerhaus Schwalenberg. Foto: LVL

Blick ins Atelier vom Künstlerhaus.
Foto: S. Theuner, LVL






































