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„Entartete“ Skulptur von Karl Ehlers in Berlin gefunden
Unmittelbar gegenüber dem Berliner Roten Rathaus in der historischen Mitte Berlins wurden im Jahr 2010 bei archäologischen Grabungen sechzehn Skulpturen der Klassischen Moderne geborgen. Dieser spektakuläre Fund wirft ein neues Licht auf den Verbleib der Kunstwerke, die im Rahmen der nationalsozialistischen Beschlagnahmeaktion "Entartete Kunst" den Museen entzogen und in Ausstellungen verhöhnt wurden und die bis heute verschollen sind. Unter diesen Skulpturen befindet sich auch die Bronze „Frau mit Traube“ von 1933 von Karl Ehlers (1904-1973). Ehlers lebte von 1948 bis zu seinem Tod 1973 in Detmold. Der umfangreiche Nachlass von Karl Ehlers mit Plastiken, Grafiken und Zeichnungen befindet sich im Besitz des Landesverbandes Lippe und wird im Schloss Brake in Lemgo präsentiert.
Im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" beschlagnahmte und entzog der NS-Staat eine große Menge von Kunstwerken überwiegend in öffentlichen Museen und Sammlungen, aber auch bei Privatpersonen. Als propagandistischer Höhepunkt wurde 1937 die Ausstellung "Entartete Kunst" in München eröffnet, die anschließend in Berlin und zahlreichen anderen Städten gezeigt wurde. Die insgesamt weit umfangreicheren Bestände aus den Beschlagnahmungsaktionen sollten möglichst devisenbringend verkauft werden. Dies gelang nur teilweise, ein großer Bestand blieb in Berlin erhalten. Über diesen verfügte eine Abteilung des Reichspropagandaministeriums. Ein Teil dieser Werke gelangte später in den Bestand verschiedener Kunsthändler und wurde so bewahrt. Die staatlichen Maßnahmen wurden nachträglich durch das "Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" vom 31. Mai 1938 legalisiert.
Der Weg der identifizierten Kunstwerke lässt sich bis ins Jahr 1941/42 nachzeichnen. Nach ihrer Beschlagnahme in Museen (Nationalgalerie, Berlin, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, Staatsgalerie Stuttgart, Schlesisches Museum der Bildenden Künste, Breslau, Kunsthalle Karlsruhe, Staatsgemäldesammlungen München, Städtische Kunstsammlung Duisburg) wurde ein Teil von ihnen in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. Die übrigen lagerten, gemeinsam mit anderen noch nicht verwerteten Beständen der Beschlagnahmeaktion, in einem Keller des Reichspropagandaministeriums.
Als Bodenfunde sind die Skulpturen Eigentum des Landes Berlin. Sie werden nun im Neuen Museum im Rahmen der Ausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte präsentiert. Am 15. und 16. März findet in Berlin ein wissenschaftlichen Symposium mit dem Titel: „Der Berliner Skulpturenfund. Entartete Kunst im Bombenschutt“ statt. In dem wissenschaftlichen Symposium wird zu jedem Einzelobjekt der neueste Forschungsstand referiert. Auf diese Weise rückt die Skulptur als Gattung in den Fokus, die betroffenen Bildhauerinnen und Bildhauer werden vorgestellt und im Gesamtkontext ihres Werkes reflektiert. Zu Karl Ehlers wird die Kunstreferentin des Landesverbandes Lippe, Dr. Mayarí Granados, referieren. Sie betreut als verantwortliche Kunsthistorikerin auch den Nachlass von Karl Ehlers im Schloss Brake in Lemgo. „Der Skulpturenfund in Berlin war spektakulär“ so Granados „besonders spannend ist in diesem Zusammenhang, dass sich im Besitz des Landesverbandes Lippe eine zugehörige Grafik „Frau mit Traube“ von 1932 befindet.“ Die Bronze „Frau mit Traube“ von 1933 wurde im Lehmbruck-Museum in Duisburg beschlagnahmt und galt seitdem als verschollen.
Die Ausstellung ist in Berlin noch bis zum 18. März zu sehen und wird anschließend als Wanderausstellung in die Herkunftsmuseen der Skulpturen reisen.
In Berlin gefundene Werke:
• Otto Baum, Stehendes Mädchen, 1930
• Karl Ehlers, Frau mit Traube, 1933
• Otto Freundlich, Kopf, 1925
• Karl Knappe, Hagar, 1923
• Marg Moll, Tänzerin, um 1930
• Emy Roeder, Schwangere, 1918
• Edwin Scharff, Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes, 1917/1921
• Gustav Heinrich Wolff, Stehende Gewandfigur, 1925
• Naum Slutzky, Weibliche Büste, vor 1931
Bisher noch nicht identifizierte Werke:
• Männlicher Torso
• Männlicher Kopf
Abbildungen:
Karl Ehlers, Frau mit Traube, Zustand heute nach der Reinigung. © Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, Foto: Achim Kleuker, Berlin
Karl Ehlers, Frau mit Trauben, 1932, Linolschnitt. Nachlass, Sammlung Landesverband Lippe, Lemgo. Foto: Annika Drewes, Landesverband Lippe
